Was ist Metformin?
Metformin senkt den Blutzucker über zwei Wege: es drosselt die Glukoseproduktion der Leber und verbessert die Insulinempfindlichkeit im Muskel- und Fettgewebe. Anders als Insulin oder Sulfonylharnstoffe zwingt es den Blutzucker nicht nach unten, sondern nimmt eine überschießende Eigenproduktion zurück. Deshalb verursacht es allein praktisch keine Unterzuckerung.
Mechanistisch läuft ein Großteil über die Hemmung des mitochondrialen Komplex I und die daraus folgende Aktivierung der AMPK, des zellulären Energiesensors. Genau dieser Weg ist auch der Grund für den Longevity-Ruf und, wie unten steht, für den Konflikt mit dem Muskelaufbau.
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Wie es wirkt
AMPK ist der Gegenspieler von mTOR. AMPK wird aktiv, wenn die Zelle Energiemangel meldet, und schaltet dann auf Sparen und Aufräumen um. mTOR wird aktiv, wenn Energie und Aminosäuren reichlich vorhanden sind, und schaltet auf Bauen um. Metformin schiebt dieses Gleichgewicht Richtung AMPK.
Für den Stoffwechsel ist das gut. Für eine Aufbauphase ist es genau der falsche Schalter, denn Muskelaufbau läuft über mTOR. Mehrere Untersuchungen zeigen unter Metformin einen geringeren Kraft- und Muskelzuwachs bei gleichem Training. Das ist kein Randbefund, sondern eine direkte Folge des Mechanismus.
In einer Diätphase fällt das deutlich weniger ins Gewicht, dort ist die verbesserte Insulinempfindlichkeit der dominierende Effekt.
Anwendung und Dosierung
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Was die Forschung zeigt
UKPDS 34 (Lancet 1998) ist die Studie, die Metformin zum Erstlinien-Wirkstoff gemacht hat. Bei übergewichtigen Typ-2-Diabetikern senkte es die diabetesbezogenen Endpunkte um 32 Prozent und die Gesamtsterblichkeit um 36 Prozent, und zwar besser als andere Wirkstoffe bei gleicher Blutzuckersenkung.
UKPDS 80 (NEJM 2008) verfolgte die Teilnehmer zehn Jahre nach Studienende weiter. Der Vorteil blieb bestehen, obwohl sich die Blutzuckerwerte der Gruppen längst angeglichen hatten. Dieser Legacy-Effekt ist einer der interessantesten Befunde der Diabetologie.
DPP (NEJM 2002) prüfte Prävention bei Prädiabetes: Metformin senkte die Diabetes-Neuerkrankungen um 31 Prozent. Die Lebensstil-Intervention im selben Arm schaffte 58 Prozent, also fast das Doppelte. Das gehört zur ehrlichen Einordnung, denn die wirksamere Maßnahme war nicht das Medikament.
Die Beobachtungsstudie von 2014 (Diabetes Obes Metab) ist der Ursprung des Longevity-Hypes: Diabetiker unter Metformin überlebten in dieser Auswertung gematchte Nicht-Diabetiker. Das ist ein auffälliger Befund, aber eine Beobachtungsstudie und kein Wirksamkeitsnachweis. Die randomisierte Longevity-Studie steht bis heute aus.
Nebenwirkungen
- Magen-Darm-Beschwerden: Durchfall, Übelkeit, Blähungen. Bei den meisten dosisabhängig und vorübergehend, wenn langsam aufdosiert und zum Essen genommen wird.
- Vitamin-B12-Mangel: bei Anwendung über Monate messbar. Gehört kontrolliert.
- Gedämpfte Trainingsanpassung: geringerer Kraft- und Muskelzuwachs. Der Mechanismus, keine Nebenwirkung im engeren Sinn.
- Laktatazidose: sehr selten, aber die klassische Warnung. Relevant bei eingeschränkter Nierenfunktion, schwerer Erkrankung oder vor Untersuchungen mit jodhaltigem Kontrastmittel, wo es vorher pausiert wird.
- Metallischer Geschmack: harmlos, aber häufig gemeldet.
Lagerung
Trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt lagern. Außerhalb der Reichweite von Kindern.